Blutegeltherapie

Die Blutegeltherapie gehört zu den ausleitenden Verfahren, diese dienen zur Entgiftung des Körpers.

Die Blutegeltherapie gehört zu den ältesten Heilmethoden, bereits 5. Jahrhundert v.Chr war sie in Indien bekannt und es gab dort Blutegelzuchten. Ab dem 2. Jahrhundert wurden die Blutegel in China und Japan verwendet, in Form einer Substanz aus getrockneten Blutegeln.

In der europäischen Literatur finden sich Aufzeichnungen ca. 200 -300 v. Chr., wirklich bedeutend wurde die Blutegeltherapie 1. Jhr. v. Christus durch Themison von Laodikeia. Dieser setzte sie z.B bei fieberhaften Algemeinerkrankungen, Arthritis und Schwelungen ein.

In den folgenden Jahrhunderten breitete sich die Blutegeltherapie über Griechenland ,das Römisches Reich bis hin in die arabische Welt aus und zählte zu den anerkannten Heilmethoden. Zu beginn des 19. Jahrhunderts wurde zunehmend mit Blutegeln behandelt, so das aufgrund des hohen Verbrauchs die Blutegel importiert werden mussten, da sie in Europa fast ausgerottet waren. Überall in Europa entstanden Zuchtanlagen.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kamen die Organpathologie von Virchow und die Kenntnisse der Bakteriologie auf, dies führte zu einem Rückgang der Blutegeltherapie.

Durch den Frankfurter Arzt Heinz Bottenberg wurde die Blutegeltherapie mit seinem Buch „Die Blutegeltherapie“(1935) weltweit verbreitet. Seiner Erkenntnis nach ist die Blutegelwirkung lokal gerinnungshemmend, lymphstrombeschleunigend, antithrombotisch, immunisierend, schmerzstillend und gefäßkrampflösend.

Als nach dem 2. Weltkrieg Heparin und Marmacur zur Thrombose- und Embolieprophylaxe und -therapie eingesetzt wurde, verschwand der Blutegel aus Miteleuropa erneut.

Seit den 70ziger Jahren wird der Blutegel wieder vermehrt in der plastischen und rekonstruktiven Chirurgie, als auch in der Naturheilkunde eingesetzt.

 

 

 

Die Biologie des Blutegel

 

Es gibt etwa 600 verschiednen Blutegel, davon werdn 15 in der Heilkunde eingesetzt. Dabei gilt der sogenannte medizienische Blutegel mit seiner deutlich heilendn Eigenschaft, als der Bevorzugte unter den Blutegeln.

 

Der Blutegel gehört zu den Ringelwürmern                 (Anneliden)

 

▬ Die Bezeichnung „Egel“ stammt aus dem                      griechischen Wort „Echis“ ab was kleine Schlange

    bedeutet.

▬ Althochdeutsch hieß er „Blutigel

▬ Im England des Mittelalters hieß er „leech“ was als

    Synonym Heiler

 

Der Ur-Ringelwurm ist übrigens ein gemeinsamer Vohrfahr von uns und dem Blutegel, Mensch und Blutegel haben beide das Hämaglobin als Sauerstoffträger, wir in der Zelle, der Blutegel in der respiratorischen Flüssigkeit. Der Speichel des Blutegel (Salva) ist eine hochkomplexe Substanz die mindestens aus 30 Teilsubstanzen besteht, von denen 8 wirklich erforscht sind. In der Salva ist auch der Wirkstoff „Calin“, der eine längere Nachblutung verursacht, was den Vorteil hat, dass die Wunde gesäubert und eine Sepsis verhindern wird. Das Wirtstier wird also gesund bleiben und kann zu dem Wirt zurückkehren. Bei Widtieren wurde schon beobachtet das sie solche Stellen aufsuchen an denen Blutegel leben, der Nutzen der für beide entsteht (der Wirt hat das Blut und das Wirtstier wird seine Schmerzen los) nennt man Symbiose. In der Natur ernährt sich der Blutegel im Jungtieralter von Fischblut, erst wenn er fortpflanzungsfähig wird, bevorzugt er Warmblüter.

 

 

 

 

Aufbau und Funktion des Blutegels

 

Das Muster des Egels ist sehr komplex, das Sinnessystem überdurchschnittlich fein ausgeprägt.

Der Egel besitzt kein Skelet, er atmet über die Haut.

Er besteht aus Segmenten (34) und äußeren Ringen(105) die wie eine Art Ziehharmonika dehnbar sind und den Volumenzuwachs durch die Nahrungsaufnahme

sowie die Schwimmbewegungen ermöglichen.

Am Vorderende des Egels befindet sich die Haft-, Beiß-, Saug-, Sekretions- und Schreitfunktion sowie Geschmacks-, und Temperatursinn und die Augen.

 

Die Mundregion mit ihren Funktionen bildet die zentralen Faktoren bei der Behandlung mit dem Egel. Der Egel besitzt Chemorezeptoren, Thermorezeptoren und Berührungsrezeptoren mit denen er sich auf der Haut des Wirtstieres orientieren kann. Der Mundsaugnapf des Egels produziert einen Schleim mit dessen Hilfe er sich fast überal anheften kann. Mit dem bezahnten Kiefer, der sich wie eine Säge halbkreisartig bewegt, wird eine geringere Reizung erzeugt, als wie bei einem einzigen Biss. Der Speichel des Egels wird so in die Wunde abgegeben, wie eine Art Vakuumpumpe arbeitet dann der Mund des Egels. Man kann dieses rythmische Bewegung gut beobachten, dabei sollte der Egel nie gewaltsam entfernt werden da er sonst durch die Quetschung den Mageninhalt in die Wund erbricht und es zu einer Infektion kommen kann. Die Behandlung mit einem Egel dauert ungefähr 15 – 60 Minuten, wenn er satt ist lässt er sich fallen. Nach einer Mahlzeit verdaut der Egel bis zu 3 Monate, er kann dann für 2 Jahre ohne Nahrung auskommen.

 

 

Indikationen:


▬ Arthritis

▬ Arthrose

▬ Ataxie

▬ Cauda equina Kompressionssyndrom

▬ Diskopathien

▬ Dysplasien (HD, ED)

▬ Ekzeme

▬ Erkrankungen des Bandapperates

▬ Gallen

▬ Genickbeule

▬ Hämatome

▬ Hodenentzündung

▬ Hufkrebs

▬ Hufrehe

▬ Ischialgie

▬ Kissing Spines

▬ Lumbago

▬ Lymphangitis

▬ Mastitis

▬ Muskelverhärtung, Muskelriss

▬ Narbenprobleme

▬ Nervenentzündungen

▬ Othämatom

▬ Patellaluxation

▬ Phlegmone

▬ Piephacken

▬ Podotrochlose (Hufrolle)

▬ Schale (Krongelenksarthrose)

▬ Schleimbeutelentzündung

▬ Spat

▬ Spondylosen

▬ Tendophatien (Sehnen)

▬ Tendovaginitis ( Schleimbeutelentzündung)

Venenerkrankungen

 

Wirkungsweise der Blutegel

 

Die Wirkungsweise liegt in der Zusammensetzung der „Salvia“dem Speichel des Egels, deren Bestandteile so ins Blut übergehen. Die verschiedenen Bestandteile zeigen unterschiedliche Wirkungen auf den Körper.

 

 

Hirudin = Gerinnungshemmend, ähnliche Wirkung wie Heparin

 

 

Calin = Hemung der Blutgerinnung, Hemmung der kollagenvermittelten , Plättchenaggregation, lange Nachblutung

 

 

Destabilase = Löst Fibrin auf, Monomerisierende Aktivität: thrombolytisch (löst Thromben auf)

 

 

Hirustasin = Serin-Proteinase (auch eine Art Gerinnungshemmer)

Hemmt Kallikrein, Trypsin, Chymotrypsin, neutrophiles Kathepsin G

 

 

Hyaluronidase = Antibiotika, Greift wahrscheinlich Schleimkapseln von Streptokokken an

Viskositätserhöhung in den Interstitien

 

 

LDTI (leech-derived-tryptase inhibitor) = Wichtig bei entzündlichen Reaktionen die auf gestörte Mastzellen zurückzuführen sind z.B Psoriasis, rheumatoide Arthritis, Tryptase Inhibitor

 

 

Egline = Antientzündlich, Hemmen Aktivitäten von alpha-Chymotrypsin, Chymasen, Subtilisin, Elastase und Kathepsin G

 

 

Inhibitor des Faktors Xa = Hemmt die Aktivität des Gerinnungsfaktors Xa durch Bildung eines äquimolaren Komplexes, wirkt auf die Gerinnungskaskade

 

 

Hemmstoff von Komponenten des Komplementsystems = Ggf. Ersatz beim Fehlen der natürlichen Hemmstoffe, wichtig bei chronischen Entzündungen und bei Sepsis

 

 

Hemmstoff der Carboxypeptidase = Erhöht den Bluteinstrom zur Bissstelle, löst Blutgerinsel auf

 

 

Acetylcholin = Gefäßerweiternd

 

 

Bisher ist es gelungen einzelne Komponenten nachzustellen, jedoch nie die Gesamtheit aller in der Salvia enthaltenen Stoffe.

So bleibt der Blutegel ein „Arzneimittel“ mit einem natürlichen Kombinationspräperat aus verschiedenen Wirkstoffen.